
Sönke Schlüter
Die Lehmann Gruppe aus Minden
Die Lehmann Gruppe aus Minden zählt zu den führenden europäischen Herstellern mechanischer
und elektronischer Schließsysteme. Seit drei Generationen hält das Unternehmen seinen Kurs
– mit einer Wertschöpfung, die fast vollständig im eigenen Haus stattfindet, mit kontinuierlichen
Innovationen und mit vertrauensvollen Partnerschaften, die auch in turbulenten Phasen verlässlich sind.
Ob Verzögerungen bei der Produktion einer neuen Serie, die kurzfristige Anpassung einer Finanzierungslinie oder ein Kunde im Ausland, der spontan Unterstützung bei einer Schließanlage benötigt – der Alltag von Sönke Schlüter, Geschäftsführer der Lehmann Gruppe, ist geprägt von dynamischen Situationen und abwechslungsreichen Herausforderungen. Entscheidend ist, dass das Unternehmen gerade in solchen Momenten zuverlässig funktioniert. „Bei uns ziehen Mitarbeitende, Geschäftspartner und Kunden an einem Strang“, sagt Schlüter stolz. Er führt das Unternehmen seit 2015 in dritter Generation und baut dabei auf Werte, die die Lehmann Gruppe seit Jahrzehnten prägen – und Lösungen aus Minden weltweit erfolgreich machen.
Wertschöpfung im eigenen Haus
Das Familienunternehmen liefert in mehr als 80 Länder und betreibt eigene Vertriebsstandorte in Hongkong und Shanghai. Trotz weltweiter Märkte bleibt Deutschland der wichtigste Standort: Rund 400 Mitarbeitende entwickeln und fertigen unter anderem in Minden hochpräzise Schließsysteme, die in Büros, Kliniken, Schulen und Industriebetrieben eingesetzt werden. Vom Zinkdruckguss über die Oberflächenveredelung bis hin zur Software-Entwicklung findet nahezu der gesamte Fertigungsprozess im eigenen Haus statt. Eine strategische Entscheidung: „Wir wollen jeden Schritt verstehen“, sagt Schlüter. „Nur so können wir Know-how sichern und Innovation ermöglichen.“
Durch die räumliche Nähe von Entwicklung und Produktion kann Lehmann individuelle Anforderungen von Kunden direkt aufgreifen und Lösungen von Grund auf selbst entwickeln – von einzelnen Komponenten bis zu komplett neuen Systemen. Auch aktuell arbeitet die Entwicklungsabteilung an einer Weltneuheit, allerdings noch hinter verschlossenen Türen.
Software mit hohem Sicherheitsanspruch
Eine weitere Säule der Innovationsstrategie ist der Ausbau digitaler Prozesse. Der IT-affine Geschäftsführer hat Produktionsabläufe automatisiert, digitale Strukturen neu aufgebaut und Software selbst programmiert. Um die Sicherheit der Schließsysteme und sensiblen Daten zu gewährleisten, setzt Lehmann auf die ISO 27001-Zertifizierung – ein internationaler Standard für Informationssicherheit.
Solche Entwicklungen erfordern nicht nur technische Kompetenz, sondern auch eine Unternehmenskultur, die diesen Wandel trägt: Lehmann fördert gezielt Mitarbeitende, die bereit sind, dazuzulernen und Neues auszuprobieren. Diese Haltung zahlt sich aus – viele Mitarbeitende bleiben dem Unternehmen über Jahrzehnte treu.


Verlässlichkeit als Erfolgsfaktor
Die langfristige und vertrauensvolle Zusammenarbeit zeigt sich auch in der Lieferkette: Einige Partner begleiten Lehmann bereits seit den Anfangsjahren. Wenn sich Qualitätsanforderungen ändern oder neue Verfahren nötig werden, unterstützt Lehmann seine Partner aktiv und hilft ihnen, ihre Prozesse anzupassen. Gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten haben sich diese engen Partnerschaften als wertvoll erwiesen, weil sie die Lieferfähigkeit dauerhaft sichern.
Auch im Umgang mit Kunden verfolgt Lehmann den Anspruch, Herausforderungen verlässlich und gemeinsam zu lösen – und lebt damit genossenschaftliche Werte im Alltag. Ein Beispiel: Da Schließsysteme oft fest in Möbeln oder Gebäudestrukturen verbaut sind, hängen viele Störungen mit dem gesamten System zusammen, nicht mit den Produkten. Lehmann unterstützt seine Kunden auch in solchen Fällen. „Uns ist wichtig, dass wir zu einer Lösung kommen – unabhängig davon, wo die Ursache liegt“, sagt Schlüter. Wie das in der Praxis aussieht, zeigt ein Einsatz in Litauen: Ein Kunde meldete eine Störung seiner Schließanlage. Schlüter war gerade auf dem Weg von Berlin in die Schweiz und entschied sich, direkt nach Litauen zu reisen. „Vor Ort konnten wir das Problem eingrenzen und Maßnahmen anstoßen, um die Anlage wieder in Gang zu setzen“, erzählt er.
Finanzielle Partnerschaft auf Augenhöhe
Ein weiterer Baustein für die langfristige Stabilität ist die Zusammenarbeit mit der VerbundVolksbank OWL eG. Schlüter schätzt vor allem die Nähe: „Wenn es kurzfristig etwas zu klären gibt, ist unser Ansprechpartner von der Bank innerhalb weniger Stunden bei uns im Unternehmen.“ Wie wichtig dieser kurze Draht ist, zeigte sich auch beim später geplanten Erwerb des Grundstücks aus einem bestehenden Mietkaufvertrag. Die bisherige finanzierende Bank begleitete diesen Schritt nicht weiter, sodass die Volksbank Minden die Finanzierung übernahm und die strategisch wichtige Investition möglich machte. Mit der zusätzlichen Gießerei hat Lehmann die Produktion gezielt ergänzt und eine zweite, redundante Kapazität geschaffen – etwa für den Fall eines Stromausfalls oder Brandes in der eigenen Gießerei. „Einen insolventen Betrieb zu übernehmen, war selbstverständlich mit Risiken verbunden“, sagt Schlüter. „Heute zeigt sich, dass es die richtige Entscheidung war.“
Mit einer engagierten Belegschaft, technologischem Know-how, langfristigen Partnerschaften und einem verlässlichen Finanzpartner an der Seite ist Lehmann für die kommenden Jahre resilient aufgestellt. Schlüters Ziele sind klar: das Unternehmen stabil in die vierte Generation führen und dafür die richtigen Weichen stellen.
