Bewährte Werte in bewegten Zeiten

Ralf Stöver, Stephan Levenig und Thomas Röper-Schültken

Genossenschaftliche Werte mit ostwestfälischer Bodenständigkeit

Seit mehr als 125 Jahren verbindet die Raiffeisen Westfalen Mitte eG genossenschaftliche Werte
mit ostwestfälischer Bodenständigkeit. Vertrauen, eine ausgeprägte Anpackmentalität und ein über
Generationen gewachsenes Miteinander sorgen dafür, dass die Genossenschaft auch in herausfordernden Zeiten
ein verlässlicher Partner in der Region bleibt.

Unklare gesetzliche Rahmenbedingungen, politische Unsicherheiten, stark schwankende Energie- und Spritpreise – die deutsche Wirtschaft steht zunehmend unter Druck. Die Raiffeisen Westfalen Mitte eG (RWM) kennt solche Zeiten nicht erst seit gestern. Als genossenschaftlich organisierter Mittelstandsbetrieb hat sie in ihrer Geschichte schon zahlreiche Krisen gemeistert. Dabei kann sie auf ihre größte Stärke zurückgreifen: den genossenschaftlichen Zusammenhalt. „In guten wie in schlechten Zeiten für Mitglieder und Kunden da zu sein, ist für uns keine Floskel, sondern gelebter Alltag“, sagt Ralf Stöver, einer der drei RWM-Vorstände.

Aus der Not geboren

Der Zusammenhalt, auf den die Raiffeisen Westfalen Mitte eG heute baut, hat seinen Ursprung im späten 19. Jahrhundert. „Damals schlossen sich rund 30 Landwirte in Soest zusammen – eine Reaktion auf niedrige Preise für landwirtschaftliche Produkte und fehlende Marktstrukturen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Thomas Röper-Schültken. Was allein kaum möglich war, gelang in der Gemeinschaft: Sie kauften Saatgut in größeren Mengen günstiger ein, erzielten beim Verkauf ihrer Produkte bessere Preise und setzten ihre Interessen am Markt wirksamer durch.

„Wir packen an, halten zusammen und lachen viel.
Vor allem aber stehen wir füreinander
und für unsere Mitglieder ein.“

Thomas Röper-Schültken

In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Genossenschaft stetig weiter und neue Geschäftsbereiche kamen hinzu: der Handel mit Vieh, der Vertrieb von Futter- und Düngemitteln und später eine eigene Futtermittelproduktion. In den 1980er-Jahren folgte der nächste Schritt: Mit den ersten Raiffeisen-Märkten öffnete sich die Genossenschaft auch für Privatkunden. Parallel dazu baute die RWM ihr Energiegeschäft aus – zunächst mit Kohle, später mit Heizöl und eigenen Tankstellen. So entwickelte sich aus dem Zusammenschluss weniger Landwirte ein breit aufgestelltes Unternehmen, das bis heute eng mit der Region verbunden ist.

Mittendrin statt nur dabei

Damit die Genossenschaft die Interessen der Landwirte in der Region wirklich vertreten kann, gilt ein klares Prinzip: Mitglied werden kann nur, wer selbst in der Landwirtschaft tätig ist. Jede Stimme zählt gleich viel – unabhängig von finanzieller Beteiligung oder Betriebsgröße. Getragen wird dieses demokratische Prinzip auch durch persönlichen Einsatz. Im Aufsichtsrat und Beirat engagieren sich Landwirte ehrenamtlich und gestalten die Genossenschaft im Sinne aller Mitglieder aktiv mit.

Auch die drei Vorstände stammen aus der Region und kennen die Landwirtschaft aus dem eigenen Umfeld. „Wir wissen, was unsere Kunden bewegt, weil wir es selbst mitbekommen – in der Familie, im Bekanntenkreis, auf den Höfen“, sagt Ralf Stöver.

Viele landwirtschaftliche Betriebe arbeiten bereits seit Generationen mit der Genossenschaft zusammen. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle – wer sein Wort gibt, hält es auch: „Bei uns gilt ein Handschlag genauso verbindlich wie ein unterschriebener Vertrag“, betont Stöver.

Typisch ostwestfälisch

Die Verlässlichkeit, die die RWM seit Generationen auszeichnet, hat ihre Wurzeln in der ostwestfälischen Mentalität: bodenständig, pragmatisch, unkompliziert. „Bei uns läuft im Arbeitsalltag vieles hemdsärmelig“, beschreibt Thomas Röper-Schültken. „Wir packen an, halten zusammen und lachen viel. Vor allem aber stehen wir füreinander und für unsere Mitglieder ein.“

Auch bei den Mitarbeitenden der RWM kommt diese Haltung gut an. Viele sind seit Jahrzehnten im Unternehmen, neue Kolleginnen und Kollegen fühlen sich schnell wohl. Mit rund 350 Beschäftigten – inklusive Tochterunternehmen – ist die Genossenschaft ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Die Geschäftsführung weiß: Entscheidungen müssen so getroffen werden, dass Arbeitsplätze und Einkommen verlässlich bleiben.

Was das in der Praxis bedeutet, zeigte sich in der Corona-Pandemie. Während andere Unternehmen Stellen abbauten, konnte sich die Belegschaft der RWM auf ihren Arbeitgeber verlassen. Dieses Vertrauen erwiderten die Mitarbeitenden mit starkem Zusammenhalt und Engagement. „Wir wissen, dass wir uns aufeinander verlassen können – das macht uns stolz“, sagt Vorstand Stephan Levenig.

Gemeinsame Wurzeln

Zur regionalen Identität des Unternehmens gehört auch die langjährige Zusammenarbeit mit der Volksbank Büren-Salzkotten. Beide Organisationen verbindet eine gemeinsame Vergangenheit, denn die RWM betrieb früher Filialen, die neben dem Warenhandel auch das Bankgeschäft ihrer Mitglieder abwickelten. Mit der zunehmenden Spezialisierung beider Geschäftsbereiche entschied der damalige Vorstand, die Zuständigkeiten klar zu trennen. Den Geldverkehr übernahm daraufhin ein Vorgängerinstitut der heutigen VerbundVolksbank OWL eG. Nach wie vor ist die Zusammenarbeit geprägt durch gemeinsame Werte: „Die Volksbank arbeitet so, wie wir es auch tun: lösungsorientiert, mit kurzen Wegen und immer ansprechbar“, sagt Levenig.

Investitionen in die Zukunft

Bei Investitionen setzt die RWM auf Projekte, die das Unternehmen und die Region langfristig unabhängiger und widerstandsfähiger machen. Ein zentrales Vorhaben ist der Bau eines neuen Bahnanschlusses in Geseke. Damit will die RWM künftig Getreide und Düngemittel kosteneffizienter und nachhaltiger auf der Schiene statt auf der Straße transportieren.

Zudem modernisiert die Genossenschaft ihre Gebäude und setzt auf Photovoltaik-Anlagen. Damit wird ein Großteil des benötigten Stroms selbst erzeugt und Schwankungen am Energiemarkt treffen die RWM weniger stark. Auch im Einzelhandel wird die Genossenschaft unabhängiger und baut das Eigenmarken-Sortiment in ihren Filialen gezielt aus. So bleibt die RWM auch in Zukunft ihrer Tradition treu: Sie stärkt die Gemeinschaft und erweist sich auch in anspruchsvollen Zeiten als vertrauensvoller Begleiter.