Zukunft durch Zuspruch

Stefanie Schäfers und Ilona Göke

Bewerbungstraining, Sprachförderung oder psychosoziale Unterstützung

Ob Bewerbungstraining, Sprachförderung oder psychosoziale Unterstützung – Ilona Göke und Stefanie Schäfers begleiten Menschen,
die auf dem Weg in den Arbeitsmarkt Orientierung brauchen. Ihr Ansatz: Hilfe zur Selbsthilfe, kleine Schritte und viel Zuspruch.
So wächst aus anfänglicher Unsicherheit neues Selbstvertrauen.

Es gibt Fragen, die in deutschen Vorstellungsgesprächen immer auftauchen: „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ ist so eine. In anderen Kulturkreisen läuft das häufig formloser: Gespräche finden in lockerer Atmosphäre und ohne festes Schema statt. Wer aus einem solchen Umfeld nach Deutschland kommt, fühlt sich auch mit viel Berufserfahrung schnell unsicher. Hier setzen Ilona Göke und Stefanie Schäfers an. „Wir erklären, wie ein Vorstellungsgespräch abläuft, beraten bei der Wahl der Kleidung und üben typische Fragen“, sagt Schäfers. „Das gibt Sicherheit und nimmt die Angst.“

Zwischen Bürokratie und Bankgesprächen

Um Menschen auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt zu begleiten, gründeten die beiden Pädagoginnen 2023 die Göke & Schäfers GbR. Unter dem Namen ISM – Integrative Sozialpädagogische Maßnahmen bieten sie Programme an, die von psychosozialer Unterstützung über eine behutsame Annäherung an den Arbeitsmarkt bis hin zu konkreter Vermittlung reichen. Menschen mit Migrationshintergrund erhalten zusätzlich interkulturelles Coaching und berufsorientierten Sprachunterricht.

Die Finanzierung ihres Unternehmens zu sichern – da sind sich die Geschäftspartnerinnen einig – wäre ohne den Bankverein Werther nicht gelungen. Die beiden suchten nach einer Bank, die zu ihnen passte, und sprachen mit mehreren Instituten. Erst beim Bankverein Werther fühlten sie sich von Anfang an gut aufgehoben. „Wir konnten unserer Beraterin jede Frage stellen, egal wie banal sie klang, und bekamen immer eine fundierte Antwort“, sagt Schäfers.

Göke und Schäfers arbeiten eng mit dem Jobcenter zusammen. Damit sie die Arbeitssuchenden beraten dürfen, haben sie sich von einer unabhängigen Stelle als Träger zertifizieren lassen. Dafür mussten sie unter anderem ein ausführliches Qualitätsmanagement, geeignete Räume sowie stabile Finanzen nachweisen. Auch jede ihrer arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen, wie zum Beispiel die sozialpädagogisch-psychologische Begleitung oder die Vermittlung von Menschen mit Beeinträchtigung, wurde einzeln geprüft und zugelassen. Ein hoher bürokratischer Aufwand, der den beiden einiges abverlangte. „Es war gut, dass wir zu zweit waren“, sagt Göke. „Wenn eine von uns einen Tiefpunkt hatte, hat die andere sie aufgebaut. Das ist bis heute so – zwischen uns passt kein Blatt Papier.“

„Jeder Mensch hat Fähigkeiten.
Unsere Aufgabe ist es, sie sichtbar zu machen.“

Stefanie Schäfers

Jeder Weg ist anders

Geringe Qualifikationen, Lücken im Lebenslauf, finanzielle Sorgen, fehlende Tagesstruktur oder die Frustration über ausbleibende Rückmeldungen: Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist besonders für Langzeitarbeitslose häufig beschränkt. „Wir schauen, welche Bedürfnisse die Person hat, und richten unser Angebot daran aus“, sagt Schäfers. Manche Menschen müssen zunächst persönliche, soziale oder familiäre Herausforderungen bewältigen. Dann geht es darum, Stabilität zu schaffen, bevor die berufliche Orientierung beginnen kann. Andere sind schon einen Schritt weiter: Sie arbeiten gemeinsam mit den Pädagoginnen daran, ihre Stärken und Interessen zu erkennen. „Viele Langzeitarbeitslose glauben, sie können nichts – aber das stimmt nicht“, sagt Schäfers. „Jeder Mensch hat Fähigkeiten. Unsere Aufgabe ist es, sie sichtbar zu machen.“ Gemeinsam entwickeln sie Perspektiven, formulieren realistische Ziele und arbeiten Schritt für Schritt an deren Umsetzung.

Ganz praktisch heißt das: Göke und Schäfers unterstützen bei der Suche nach einem passenden Arbeitsplatz, helfen bei Bewerbungsunterlagen und Vorstellungsgesprächen, organisieren Kinderbetreuung und vermitteln Praktika. Auf Wunsch begleiten sie ihre Klientinnen und Klienten auch nach einer erfolgreichen Vermittlung weiter – etwa, wenn Unsicherheiten im neuen Job auftauchen.

Gelebte Solidarität

Je nach Ausgangspunkt und bewilligter Maßnahme begleiten Göke und Schäfers die Arbeitssuchenden über wenige Wochen bis hin zu mehreren Monaten. Nicht jedes Problem lässt sich in dieser Zeit lösen. Doch rund die Hälfte der Teilnehmenden findet eine feste Anstellung.

Für die beiden Pädagoginnen liegt der Schlüssel zum Erfolg in der Hilfe zur Selbsthilfe. Das ist auch ein Grundprinzip von Genossenschaften: Menschen tun sich zusammen, um gemeinsam ein Ziel zu erreichen, das sie allein nicht erreichen könnten. „Teilhabe heißt, Verantwortung zu übernehmen und aktiv mitzuwirken, statt darauf zu warten, dass andere alles regeln“, sagt Schäfers. „Und wer erlebt, dass das eigene Handeln etwas bewirkt, gewinnt neues Selbstvertrauen.“ Das sei die beste Voraussetzung, um zurück in die Mitte der Gesellschaft zu finden.